Wir Mädel singen  
von und mit 
Ortrud Beginnen

Gustav-Peter Wöhler
und Elke Czischek

Regie: James Edward Lyons

Deutsches Schauspielhaus; Hamburg
Premiere: März 1993

 "Seit Ortrud Beginnen,, dieses Original im künstlerischen Niemandsland zwischen den Brettern und dem Brettl, Mitte der 70er Jahre die blumigen Balladen deutscher Kunstlied-Tradition schauerlich schön in Stücke sang, ,,gehört“ ihr diese deutsche Form der Heimat und Brauchtumspflege, die danach fragt, wo denn wohl Deutsche und wie sie Wurzeln geschlagen haben, wo denn heute ,,Heimat“ zu finden sei, nachdem der Begriff so eklig braun besudelt worden,,Das Deutsche an sich“ erkundet das Trio im Turn- und Gymnastik-Saal, den Birgt Voß bauen ließ  vor dem Seitepferd und auf blauen Mat­ten, Turnvater Jahn im Sinn, Jungmädel-Gesänge wie aus dem BDM-Liederbuch auf den Zungen, den deutschen Adler oben an der Wand im Nacken. Sie tanzen ein wenig um das Johannisfeuer, locken die ,,Flamme empor“, schwelgen zu Gerd Bellmanns Filigran­Klavier in bündischer Verblendung und purzeln flott in den ,,Komm, Czigan“-Kitsch.
 Wenn zum Schluß der Gefangenen-Chor aus Verdis ,,Nabucco“ (,,Heimat, nach der wir uns sehnen“) noch nicht ganz verklungen ist, geht grob das Licht an - die im Dunkeln sieht man doch. Nicht der nationalistische Ausbruch, statt dessen die Normalität uneingestandener Sehnsucht wird in Ortrud Beginnens halsbrecherisch-abgründiger Komik zum Ereignis.

Die grandiose Exzentrik dieser Königin der kleinen Form wird Hamburg schnell vermissen."